KULTUR DER INDIGENAS IN ECUADOR – INTERVIEW MIT ELSA PUCHA CUJI, NATIONALE VERANTWORTLICHE DER SICNIE JUVENIL, JUGENDBEWEGUNG DER INDIGENAS

Ich war vor Kurzem auf einem Indigena Festival in Ambato, Ecuador (wie bereits weiter unten im Blog geschrieben!), eine sehr originelle Stadt mit vielen Indigenas. Was war das besondere an diesem Festival? Es war ein Indigena Festival, und meine Freiwilligen-Freunde und ich waren die einzigen Nicht-Indigenas auf dem ganzen Gelände. Viele Fragen sind bei dem Ambiente über die Kultur aufgetreten, so dass ich eine Freundin und gleichzeitig Arbeitskollegin von mir in der Woche darauf interviewt habe und viele Frage über ihre Kulltur gestellt habe. Und immer wieder wurde ich persönlich bei ihren Erzählungen an den Walt Disney Film POCAHONTAS oder den aktuellen erfolgreichen Film AVATAR erinnert..

  • NATHALIE: Elsita, wir waren vor kurzem auf einem INDIGENA Festival III FESTIVAL DE MUSICA Y DANZA DEL SICNIE JUVENIL. Was war genau das Objektiv dieses Festivals und was hat es mit dem Begriff PACHAMAMA auf sich, den man überall begegnen konnte?
  • ELSITA: Das Festival war national, es kamen junge Indigenas aus dem ganzen Land! Das Objektiv des Festivals ist, die Jugendlichen aus allen Regionen aufzurufen und sie durch Tanz und Musik in ihre originale Kultur zu stärken und sie aufzurufen, unsere PACHAMAMA zu beschützen. PACHAMAMA steht fúr alles, was die Natur betrifft. Es ist nicht nur MUTTER ERDE, wie es in Spanisch übersetzt wird, sondern steht für unsere Mutter Natur mit all ihren Ressourcen: Erde, Wasser, Licht, Mensch, Luft, Tiere. Es ist der Mittelpunkt des Sein was Leben schafft. Bei diesen Treffen sollen sich die Jugendlichen gegenseitig „anstecken“ und das Erfahrene weitererzählen, damit es den zukünftigen Generationen genauso beibehalten wird.
  • NATHALIE: Ist dann PACHAMAMA so etwas wie eine Religion?
  • ELSITA: Nein, Religion nicht. Es ist wie eine höhere Gewalt, der wir danken, z.b. durch Erzählungen: es werden viele Geschichten von Generation an Generation weitererzählt, oft widmen wir ihr auch Tänze und ähnliches zu. Aktuell gibt es viele Geschichten in Ecuador und Lateinamerika über die Kolonialisierung etc. Gerade bei den Indigenas. Doch die eigentliche Geschichte ist die PACHAMAMA, und diese ist die Gebundenheit zwischen Mensch und Erde. Die Erde ist die Frau: sie arbeitet viel ruht auch mal aus und ernährt vor allem. Die Sonne ist der  Vater, sie wärmt und beschützt. Und der Mond steht für die Zeit, die sich verändert, und mit ihr die Landwirtschaft. Das vereint alles PACHAMAMA.
  • NATHALIE: Wie viele unterschiedliche Stämme der Indigenas gibt´s denn eigentlich hier in Ecuador?
  • ELSITA: Es gibt 14 unterschiedliche Indigenas-Nationalitäten: 10 im Oriente (Dschungel), 3 an der Küste und eine in der Sierra (Berge). Dann gibt es noch ca. 18 Dörfer im Oriente, die ihre komplett eigene Kultur führen und sich von der Gesellschaft abspalten. Die erstgenannten Indigenas sprechen meistens QUICHUA, die abgespaltenen meistens SHUAR. Es gibt jedoch insgesamt 12 unterschiedliche Sprachen! Diese Sprachen werden den Kindern als Muttersprache beigebracht, diejenigen die auf dem Land leben können gar kein Spanisch. Die Familien haben mindestens 4 Kinder, oft 10-15. Wenn wenn es weniger Kinder werden, verwandeln diese sich nur in Egoisten und sind dann ihrer Kultur nicht treu.
  • NATHALIE: Wie ist es denn, gibt´s neben unserer „normalen“ Relgion, der wir auch kennen, weitere Religionen bei den Indigenas?
  • ELSITA: Also ca. 70% der Indigenas sind Christen, auch wenn viele ihre Religion gar nicht praktizieren. Es gibt auch andere Sekten, die auf ihre Art und Weit Gott loben. Sie glauben an den gleichen Gott, nur die Symbole hierfür sind unterschiedlich. Sie haben den Ritus an heilige Ort zu gehen, wie z.B. Wasserfälle mit Heilwasser, und dort zu beten, und ihre Energien, wie in dem Beispiel, durch ein Bad in dem Wasserfeill  komplett zu reinigen. Das gleiche auch mit medizinischen Heilpflanzen. Jede Region hat unterschiedliche Pflanzen und Tiere. Das macht Ecuador auch gerade multikulturell und ethnisch verschieden: Das Reichtum der Natur.
  • NATHALIE: Es fallt einem schwer, sich das vorzustellen. Kannst du mal ein, zwei Beispiele genauer erläutern?
  • ELSITA: Die Pflanze zum Beispiel: wenn du eine medizinische Pflanze pflückst, darfst du sie nicht einfach so pflücken. Du musst vorher Gott und die Natur aus Respekt um Entschuldigung bitten. Wenn du diese Geste nicht ausübst, respektierst du die Pflanze nicht. Und aus fehlendem Respekt sterben diese eines Tages bald aus. Anderes Beispiel, die heiligen Orte, wie zum Beispiel der Wasserfall: Diese Reinigung, die ich schon erklärt habe, ist auch dafür da, um ein Pärchen zu motivieren. Wieder frisch und rein wie die Natur zu sein, ist das Symbol der blühenden Familie, wie eine Blume. Sie bringt Reinheit und Wachstum, Fortpflanzung ins Leben. In dem „agua pura“ (reinem Wasser) wird das Gesicht gewaschen, für die Augen, die sehen, die Füsse, die laufen, und die Hände, die ausüben. Besonders diese Bereiche sollen wieder rein, frisch und energiereich sein.
  • NATHALIE: Was bedeutet denn eigentlich die unterschiedliche Art und Weise der Indingenas, sich zu bekleiden. Denn auf dem Festival war kein Indigena aus den unterschiedlichen Regionen gleich angezogen…Hat das bestimmte Bezeichnungen?
  • ELSITA: Ja, Indigenas kleiden sich immer in den Farben, je nachdem wie momentan die Ernte blüht. In der Sierra zum Beispiel kleidet man sich viel in schwarz, Rock etc., was für Erde steht. Die Perlenkette stehen jede Perle für die Samen der Produkte. Das Tuch, beschützt einfach nur den Körper wie die Erde auch die Wurzeln beschützt. Die Ernte blüht nach dem Cosma Andino – Kalender. Von Januar bis März werden die Danksagung gefeiert: hierzu ziehen wir uns Stoffe mit bestickten Blumen und viele bunten Farben an (saftiges Grün mit vielen Blumen). Im Mai, Juni ist Zeit der Ernte, hier ziehen wir uns eher braune, graue Farben an, weil wir uns eh mit der Erde beschmutzen. Auch jedoch diejenigen, die nicht auf dem Land leben! Der SOMBRERO, unser Hut, wird getragen, um unseren Kopf mit unserer Weisheit zu beschützen, von Männern wie von Frauen. Wie bei den Tieren werden die Geschlechter hier gleichgestellt, da sie beide für das Leben und die Fortpflanzung verantworlich sind. Jede Person hat nur einen einzigen Hut, der ist zwar sehr teuer, wird aber dafür unglaublich gepflegt. Ohne Hut fühlen wir uns unwohl, fast krank. Einen Bauchgurt haben wir, um unsere Knochen zu stärken, besonders wegen der schwierigen Landarbeiten. Die langen Haare zeigen und geben Kraft für die ganze Person. Mit kurzen Haaren fühlt man sich dadurch einfach nur schwach.
  • NATHALIE: Wie ist das mit Beziehungen bei den Indigenas, können Sie auch mit Nicht-Indigenas zusammensein wie z.B. mit Mestizen?
  • ELSITA: In dem Fall werden die Kulturen komplett vermischt, die Gewohnheiten, die Organisation. Wir als Rasse der Indigenas werden in Ecuador sehr respektiert und haben viel Freiraum. Wir haben gesetzlich den gleichen Wert wie die Mestizen, sogar haben wir mehr Schutz und Garantie vom Staat. In der Politik ist auch eine gewisse Prozentzahl in der Politik für Indigena Autoritäten vorgegeben. Auch Mann und Frau werden gleich gestellt. Gerade in Ecuador haben wir einen guten Stellenwert, weil dieses Land sehr viel Wert auf seine Originalität, seinen Ursprung legt und uns mit unserer Kultur fördert, um auch internationale Anerkennung zu erhalten. Früher waren wir Gejagte. In der Amazonia gibt es immer noch Stämme, die aufgrund der Distanz keinen Kontakt mit der Aussenwelt haben, sie leben ihr eigenes Leben mitten in den Bergen, wohin es keine Wege oder Strassen gibt. Dort reden sie auch nur ihre eigenen Sprachen. Doch hier in der Gemeinschaft mit den anderen Leuten steigt die Anzahl der Indigenas wieder! Wir haben jetzt unsere eigene Indentität in den Städten. Früher haben wir uns geschämt wir selbst zu sein, wollten nicht, dass uns die anderen Mitmenschen „nur“ als Indigenas erkennen, viele haben sich den anderen angepasst. Das waren Zeiten der  grossen Herausforderung für unsere Kultur! Doch heute gibt es richtig originelle Dörfer, die Wurzeln des Landes, das was ein Land bzw. Eine Blume ausmacht. Trotzdem gibt es immer noch viel Migration. Intern, in Ecuador, ziehen viele Indigenas wegen der Arbeit vom Land in die Stadt und werden, natürlich, auch von den Mitmenschen geprägt. Extern ziehen auch viele nach Spanien, USA, Italien, Deutschland, Kolumbien, Venezuela etc. für bessere Lebensstandärde.
  • NATHALIE: Was passiert, wenn sich ein Indigena entscheidet, nicht zu seiner Kultur zu stehen?
  • ELSITA: Wenn eine oder einer sich gegen seine Kultur stellt, wird er oder sie aus der Familie verbannt. Aber genau deswegen werden sie deswegen von klein auf für ihre Kultur aufgezogen, allein schon wegen der Sprache. Es gibt viele Indigena Schulen und Universitäten. Hier sind die Fächer auch unterschiedliche: die Muttersprache wird gelernt, bei der Geschichte wird nur die Geschichte der Indigena-Führer gelehrt etc. Es werden in den Schulen und auch extern auch oft lokale Projekte organisiert, die die Kultur wieder zurückgewinnen soll, besonders an den Orten, wo sie verloren gegangen ist. Heute jedoch ist ein Indigena stolz Indigena zu sein, er oder sie hat Identität erhalten, und wir werden von den anderen mit unserem Auftreten als „schön“ und „elegant“ bezeichnet. Es gibt aber auch einige, von denen denkt man, sie seien Weiss oder Mestize, nur ihr Nachname verrät ihren Indigena-Ursprung. Hier liegt die Schuld eindeutig bei den Grosseltern, sie haben ihren Kindern und Enkeln ihre Originalität, ihren Ursprung nicht richtig übertragen.
  • NATHALIE: Ich habe letztens im Fernsehen einen erschreckenden Bericht über den Fall eines Diebstahls in einer Indigena Gemeinde gesehen. Was genau passiert bei  solchen Traditionen?
  • ELSITA: Wenn in einer Indigena Gemeinde gestohlen wird und der Dieb gefangen wird folgt ein Geschehen in und vor der ganzen Gemeinde: Er wird er festgebunden und mit einer Lederpeitsche geschlagen. In dieser Zeit werden ihm Ratschläge gegeben, wie er sich gut und besser verhalten kann. Später wird er nackt in kaltem, puren Wasser gebadet, um ihn und seine falschen Gedanken zu reinigen. Dieser Prozess dauert einige Tage lang und wird von den Autoritäten der Gemeinde geleitet. Bis zu dem Zeitpunkt, wenn er seine Taten bekennt, sich vor der ganzen Gemeinde entschuldigt und seine Taten erklärt. Dieses Vorgehen ist Tradition in unserer Kultur, und ist auch gesetzlich in unserem Land und auch international anerkannt.
  • NATHALIE: Vielen lieben Dank für all diese Informationen Elsita, es ist wirklich unglaublich interessant die Hintergründe deiner Kultur zu erfahren…Gerade in einem Land, in dem so viele unterschiedliche Personen und Kulturen zusammenwohnen, fällt es einem schwer sich vorzustellen, was hinter allein nur einer Kultur dahintersteckt…

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Über nathaliecuador

Von 02. August 2010 bis Ende August 2011 mache ich einen Freiwilligendienst in Ecuador, Lateinamerika. Über meinen Blog möchte ich meinen Freunden mitteilen, was ich alles dort über mein Jahr erleben werde!
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